Erfolgsgeschichte

EnergieEffizienzNetzwerk Essener Innungsbetriebe und Unternehmensfrauen

Geballte Frauen-Power: Erstes Energieeffizienz-Netzwerk im Handwerk

Netzwerk im Handwerk: Neun Essener Unternehmenrinnen haben sich zum ersten Energieeffizienz-Netzwerk im deutschen Handwerk zusammengetan. Sie wollen ihre Betriebe im Team fit für die Zukunft machen und einen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Energie ist zwar nicht so wertvoll wie Gold – trotzdem möchten gerade kleine Handwerks-betriebe nicht mehr als nötig von ihr verbrauchen. Das dachte sich auch Waltraut Schöne, Mitinhaberin einer Essener Goldschmiede und Trägerin des Energieeffizienz-Netzwerks. Als sie im Februar 2016 bei einer Informationsveranstaltung der Stadt Essen zum ersten Mal von der Idee der Netzwerke hörte, sprang der Funke sofort über. Noch am gleichen Abend fand sie acht Mitstreiterinnen und das Energieeffizienz-Netzwerk der Essener Innungsbetriebe und Unternehmerfrauen war geboren. Es ist nicht nur das erste des deutschen Handwerks, sondern
auch das erste reine Frauennetzwerk der Initiative. „Die Männer trauen sich offenbar nicht. Also machen wir es“, sagt Schöne selbstbewusst.

Netzwerkteilnehmer profitieren voneinander

Neben der Goldschmiede von Waltraut Schöne sind drei Elektro-, zwei Maler- und zwei Dachdeckerbetriebe sowie eine Unternehmensberaterin in dem Netzwerk vereint. Die Zusammenarbeit war auf zwei Jahre angelegt und endete im Februar 2018 – eigentlich, denn schon vor Ablauf der Netzwerkzeit stand für die Teilnehmerinnen fest: Sie wollen in die Verlängerung gehen und das Netzwerk weiter fortsetzen.
„Man lernt so viele neue Dinge, die man dann im eigenen Betrieb umsetzen kann. Beispielsweise hat einer der teilnehmenden Elektrobetriebe bei einem Treffen ein System präsentiert, mit dem man Heizung und Beleuchtung automatisiert über eine App steuern kann. Viele der Teilnehmerinnen wussten gar nicht, dass so etwas möglich ist. Inzwischen haben
es drei der Betriebe selbst bei sich eingeführt“, erzählt Schöne. „So kann im Netzwerk jeder vom Wissen des anderen profitieren.“

 

Einfache Maßnahmen bringen großen Einspareffekt

Wo Einsparpotenziale gerade in kleinen Betrieben liegen, weiß Energieberater Jörn Wegener von der Energiegenossenschaft Rhein-Ruhr. Er übernahm die Energieberatung für das Essener Netzwerk.

„Durch einfache Effizienzmaßnahmen können Handwerksbetriebe ihren Energieverbrauch um bis zu zehn Prozent reduzieren. Einsparmöglichkeiten ergeben sich in vielen Unternehmen bei der Beleuchtung. Hier sind häufig noch alte Leuchtstoffröhren im Einsatz, die im Vergleich zu moderner LED-Beleuchtung unnötig viel Strom verschlingen. Aber auch Geräte im Standby-Betrieb sind echte Stromfresser, die sich mit geringem Kostenaufwand und durch Verhaltensänderungen bei den Mitarbeitern beseitigen lassen“, erklärt Wegener. Mithilfe einer Wärmebildkamera spürte der Energieberater in den Werkstätten und Ladengeschäften ineffiziente Dämmung und fehlende Abdichtungen an Fenstern und Türen auf. Ein übermäßig stark gekühlter Serverraum in einem Elektrobetrieb trieb den Stromverbrauch zudem in die Höhe.

„In unserer Goldschmiede haben wir zum Beispiel die Beleuchtung komplett auf LED umgestellt und zugige Fenster und Türen abgedichtet. Das hat sich jetzt schon gelohnt. Die Investitionskosten sind relativ schnell wieder drin und die Raum- und Vitrinenbeleuchtung ist spürbar besser geworden, sodass uns sogar schon Kunden darauf angesprochen haben“, berichtet Netzwerkträgerin Schöne.

„Zusammen ergibt es einen Leuchtturm“

Auf Basis von Wegeners Potenzialanalyse setzte sich jeder der neun Handwerksbetriebe ein eigenes Einsparziel. Gemeinsam wollte man innerhalb von zwei Jahren 13.500 Kilowattstunden einsparen, was dem jährlichen Stromverbrauch von drei Durchschnittshaushalten entspricht. Zum Netzwerkende fällt die Bilanz mehr als positiv aus: „Insgesamt rund 25.000 Kilowattstunden haben die neun Unternehmen zusammen eingespart und ihr Ziel damit um mehr als 85 Prozent übertroffen. Nahezu alle der geplanten Maßnahmen wurden in den Betrieben umgesetzt“, sagt Gabriele Poth, Leiterin der Abteilung Umwelt und Energie bei der Handwerkskammer Düsseldorf. Als Moderatorin begleitet sie das Netzwerk seit seiner Gründung und kümmert sich beispielsweise um die Organisation von Netzwerktreffen und Workshops mit Fachreferenten. „Die Einsparpotenziale im Handwerk sind verglichen mit der Stahlindustrie natürlich gering. Dennoch gilt: Jeder Betrieb – und sei er noch so klein – kann an vielen Stellen Energie einsparen. Zusammen ergibt es dann einen Leuchtturm“, so Poth. Auch Netzwerkträgerin Schöne teilt diese Einschätzung: „Wir sind wahrscheinlich die letzte Generation, die noch etwas gegen den Klimawandel unternehmen kann. Da zählt jeder Beitrag. Im Schwarm können die rund eine Million Handwerksbetriebe in Deutschland einen großen Beitrag für die Energiewende leisten.“ Und noch einen positiven Effekt hat die Netzwerkarbeit für Schöne: „Wir kannten uns zwar schon vor der Zusammenarbeit im Netzwerk, aber der Zusammenhalt zwischen den Unternehmerfrauen ist dadurch definitiv gewachsen.“ Deshalb wird es auch nahtlos weiter gehen: „Im Februar 2018 haben wir ein Folgenetzwerk gegründet, das sich neben Energieeffizienz auch das Zukunftsthema nachhaltige Mobilität vorgenommen hat. So wollen wir die Energiewende in unseren Betrieben ganzheitlicher angehen.“

Weitere Erfolgsgeschichten können Sie in der Broschüre „Erfolgreiche Energieeffizienz-Netzwerke stellen sich vor“ nachlesen.