Erfolgsgeschichte

REGINEE Bonn/Rhein-Sieg

Im Netzwerk Energiekosten sparen: 100.000 Euro jährlich

Netzwerk REGINEE Bonn/Rhein-Sieg: Wo sich Energie im Unternehmen einsparen lässt, dazu tauscht sich Grafschafter seit April 2016 mit zehn anderen Unternehmen aus der Region Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis im Energieeffizienz-Netzwerk aus.

Im Netzwerk REGINEE Bonn/Rhein-Sieg arbeiten elf regionale Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen zusammen. Darunter sind neben dem Brotaufstrichhersteller Grafschafter auch eine Druckerei, ein Walzwerk und eine Eisengießerei. Netzwerkträger sind die Industrie- und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg und der Bundesverband der Energie-Abnehmer e. V. (VEA), der inzwischen mit seinem Netzwerkformat REGINEE – kurz für REGIonale Netzwerke für EnergieEffizienz – bundesweit mehr als ein Dutzend Energieeffizienz-Netzwerke gegründet hat. „Neben der Energieeffizienzsteigerung gehören bei REGINEE auch weitere praxisrelevante Themen wie Meldepflichten, Energiesteuern oder rechtliche Rahmen-bedingungen zu den Inhalten“, erklärt Judith Aue, die die Netzwerke beim VEA begleitet. Die Netzwerkteilnehmer treffen sich mindestens dreimal pro Jahr bei einem der beteiligten Unternehmen. Der VEA bereitet die Treffen inhaltlich vor und organisiert Fachreferenten zu den jeweiligen Themen. Jedes Treffen beinhaltet auch einen Betriebsrundgang, bei dem umgesetzte Maßnahmen der Unternehmen begutachtet und diskutiert werden.

Wertvolle Anregungen für ein systematisches Energiemanagement

Bei Grafschafter konzentriert sich die Produktionsphase auf die drei Monate der Zuckerrübenernte: Zwischen September und Dezember ist der Energieverbrauch des Unternehmens deshalb mit Abstand am höchsten. „Wir haben starke Schwankungen im Jahresverlauf, vor allem der Erdgasverbrauch ist während dieser Monate um ein Vielfaches höher als während der restlichen Monate“, sagt Nicole Stoliarov, die bei Grafschafter das Energiemanagement kaufmännisch betreut. Aktuell ist Grafschafter dabei, ein Energiemanagementsystem nach DIN ISO 50001 aufzubauen. „Im Energieeffizienz-Netzwerk können wir uns wertvolle Anregungen holen, wie ein systematisches Energiemanagement aussieht und wo mögliche Probleme liegen“, erklärt Stoliarov. „Neben Strom ist Druckluft einer unser Hauptverbraucher – ein sehr teurer Energieträger. Auch deshalb wollen wir uns im Netzwerk zu geeigneten Alternativen austauschen. Im Rahmen der Netzwerkmaßnahmen haben wir bereits die in die Jahre gekommenen Kompressoren ausgewechselt, was sich deutlich im Stromverbrauch bemerkbar macht. Weitere Energieeffizienzmaßnahmen, die wir bereits umgesetzt haben oder demnächst umsetzen werden, liegen in den Bereichen Beleuchtung, Wärmerückgewinnung und Kraft-Wärme-Kopplung“, so Stoliarov.

Ungeahnt hohe Einsparerfolge

Auch die WW-K Warmwalzwerk Königswinter GmbH ist seit 2016 beim REGINEE-Netzwerk dabei: „Da wir im Unternehmen schon immer Wert auf einen umsichtigen Umgang mit Ressourcen legen, war die Teilnahme am Energieeffizienz-Netzwerk für uns nur ein konsequenter Schritt“, so Herbert Landsberg, Energiemanagementbeauftragter im Warmwalzwerk Königswinter.

„Als bei uns die Anschaffung einer Software zur Energiedatenerfassung und -auswertung anstand, habe ich eine E-Mail an alle Netzwerkteilnehmer geschrieben und nach ihren Erfahrungen gefragt. Die Resonanz war überwältigend, ausführlich und hat uns bei der Entscheidung sehr weitergeholfen“, erzählt Landsberg.

„Auch die Umrüstung einer Pumpensteuerung für die Walzenkühlung hat sich bei uns ungeahnt positiv ausgewirkt. Die dadurch eingesparte Energiemenge liegt um fast zehn Prozent höher als anfangs berechnet. Für uns eine angenehme Überraschung, die sich deutlich bemerkbar macht“, berichtet Landsberg. „Durch den Austausch mit den anderen Unternehmen im Netzwerk haben wir auch angefangen, uns wieder mit dem Thema Abwärmenutzung zu beschäftigen, das wir eigentlich schon vor ein paar Jahren zu den Akten gelegt hatten. Nun prüfen wir, ob wir die bei uns vorhandene Abwärme für die Eigenstromerzeugung nutzen können“, erzählt Landsberg weiter.

Auch die Stadtwerke Troisdorf haben als Teil des Netzwerks bereits eine Vielzahl ihrer geplanten Maßnahmen umgesetzt: „Wir haben eine neue Brennwertheizung, ein Blockheizkraftwerk, eine Brennstoffzelle sowie eine PV-Anlage mit 100 Prozent Eigenverbrauch auf unserem Betriebsgelände installiert. Zusätzlich wurde die gesamte Beleuchtung auf sparsame LED-Technik umgestellt. Als regionaler Energieversorger können wir im Netzwerk unser Know-how zum Beispiel beim Thema Energiemessung, aber auch bei erneuerbaren Energien, Stromspeicherung und Elektromobilität einbringen“, sagt Frank Dettmar von den Stadtwerken Troisdorf.

Und wie schätzen die Teilnehmer den Nutzen der Netzwerkarbeit für sich ein? „Es lohnt sich für uns auf jeden Fall“, betont Nicole Stoliarov von Grafschafter. „Wir profitieren nicht nur wirtschaftlich von den Einsparungen, die wir langfristig durch die umgesetzten Maßnahmen und das zusätzliche Know-how erzielen. Durch den Energieeffizienzgewinn im Unternehmen senken wir auch unsere Emissionen und leisten einen Beitrag zum Klimaschutz. Das war für uns von Anfang an ein wichtiges Argument für die Netzwerkarbeit“, so Stoliarov.

Wie Unternehmen von einem Erfahrungsaustausch zu Energieeffizienz im Netzwerk profitieren können, zeigt der Erklärfilm, der das Energieeffizienz-Netzwerk REGINEE Bonn/Rhein-Sieg als Erfolgsgeschichte vorstellt.

Weitere Erfolgsgeschichten können Sie in der Broschüre „Erfolgreiche Energieeffizienz-Netzwerke stellen sich vor“ nachlesen.