Aktuelle Ergebnisse der Sommererhebung des Energieeffizienz-Index der deutschen Industrie (EEI)
22.07.2026
Die aktuelle Sommererhebung 2026 des Energieeffizienz-Index der deutschen Industrie (EEI) wurde am 1. Juli im Rahmen eines digitalen Briefing-Events vorgestellt. Die Erhebung zeigt folgende Ergebnisse: Industrieunternehmen in Deutschland investieren zwar mehr denn je in Energieeffizienzmaßnahmen, doch die Bedeutung, die sie dem Thema selbst beimessen, sinkt weiter im Vergleich zu früheren Erhebungen. Für viele Betriebe ist Energieeffizienz vor allem ein Mittel zum Zweck, um Kosten und Emissionen zu senken, sowie gesetzliche Vorgaben zu erfüllen.
Anders als bei der Wintererhebung 2025 zeigt sich zudem folgende Auffälligkeit: Ausschließlich Großunternehmen räumen dem Thema Energieeffizienz noch eine höhere Priorität ein, als anderen betrieblichen Themen – etwa der Qualitätssicherung.
Energiemanagementsysteme als zentraler Baustein
Haupttreiber für die Einrichtung eines Energiemanagementsystems sind laut EEI-Erhebung ökonomische und betriebliche Aspekte: So nennen 71 Prozent der Befragten die Kontrolle und Optimierung des eigenen Energieverbrauchs und 70 Prozent die Senkung von CO2-Emissionen. Direkt dahinter folgen gesetzliche Anforderungen als Grund, sich mit Energieeffizienz auseinanderzusetzen (58 Prozent).
Das Energieeffizienzgesetz, das im November 2023 in Kraft trat, spielt dabei eine wesentliche Rolle: Es verpflichtet Industrieunternehmen, je nach Höhe ihres Energieverbrauchs, zu konkreten Maßnahmen. Bei einem Verbrauch von mehr als 2,5 Gigawattstunden müssen Betriebe Umsetzungspläne für Endenergieeinsparmaßnahmen erstellen und veröffentlichen. Ab 7,5 Gigawattstunden sind sie zur Einrichtung eines zertifizierten Energie- oder Umweltmanagementsystems verpflichtet. Aktuell betreiben bereits 55 Prozent der befragten Unternehmen ein solches System.
Mit der geplanten Novellierung des Energieeffizienzgesetzes werden die Schwellenwerte von 2,5 auf 2,77 Gigawattstunden und von 7,5 auf 23,6 Gigawattstunden angehoben. Dadurch würde laut EEI-Erhebung nur noch etwa die Hälfte der bisher betroffenen Industrieunternehmen zur Implementierung eines zertifizierten Systems verpflichtet sein. Umso relevanter werden freiwillige Instrumente, wie die Initiative Energieeffizienz- und Klimaschutz-Netzwerke (IEEKN), die einen systematischen Austausch fördern und zu deutlichen Energie- und Kosteneinsparungen führen. In den jährlichen Monitoring-Berichten der Initiative können Sie mehr über die Wirkung des Instruments erfahren.
Unternehmen kennen ihre Abwärmepotenziale und setzen diverse Technologien ein
Aktuell kennen 89 Prozent der befragten Betriebe ihr Potenzial zur Vermeidung und Nutzung von Abwärme. So setzten die meisten Betriebe auf bewährte Technologien wie Wärmerückgewinnung, Dämmung und Isolierung, die von über 70 Prozent der Befragten genutzt werden. Etwa ein Drittel der Unternehmen verwendet zudem Wärmepumpen, Absorptionskältemaschinen oder Kraft-Wärme-Kopplung.
Die Novellierung des Energieeffizienzgesetzes hätte auch Auswirkungen auf das Thema Abwärme: Von 51 % der befragten Unternehmen müssten nur noch 5 % von ihnen Maßnahmen rund um Abwärme umsetzen.
Unternehmen fahren bei Energieeffizienz auf Sicht
Ein weiterer interessanter Trend zeigt sich in der Erhebung bei der Amortisation von Investitionen in Energieeffizienz. Unternehmen bevorzugen zunehmend eine kurze Amortisationsdauer von maximal drei Jahren. Die Akzeptanz für längerfristige Investitionen ist im Vergleich zur Wintererhebung 2023 von 25 auf 2 Prozent gesunken.
Die Initiative als wirksames Instrument für mehr Energieeffizienz in Unternehmen
Im Rahmen der Vorstellung des Energieeffizienz-Index wurde auch das Spannungsverhältnis zwischen Freiwilligkeit und Regulierung thematisiert. Unter den Diskussionsteilnehmenden waren Prof. Dr. Alexander Sauer (Institutsleiter beim Institut für Energieeffizienz in der Produktion EEP / Fraunhofer IPA), Christian Noll (Geschäftsführender Vorstand der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz e. V.), Dr. Eberhard von Rottenburg (Senior Referent Energie- und Klimapolitik beim Bundesverband der Deutschen Industrie e. V.) und Harald Höflich (Referent für Energieeffizienz im Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg) vertreten.
Einerseits wurde in der Diskussion die Notwendigkeit von Vereinfachung bei Berichtspflichten betont, andererseits die Bedeutung klarer politischer Signale, um Investitionen in Energieeffizienz langfristig zu sichern. So könnte beispielsweise auch der Einsatz von Künstlicher Intelligenz helfen, die Meldeverfahren auf verschiedenen Plattformen zu reduzieren und zu automatisieren.
Einigkeit herrschte unter den Diskussionsteilnehmenden darüber, dass Planungssicherheit, weniger Bürokratie und die Stärkung von Unternehmensnetzwerken entscheidend sind, um die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie zu erhalten und Energieeffizienz als Schlüssel für Zukunftsfähigkeit zu verankern. In diesem Zusammenhang wurde die Netzwerkinitiative mehrfach genannt, die als freiwilliges und konstantes Instrument Unternehmen unterschiedlicher Branchen dabei unterstützt, ihre Energieeffizienz zu steigern.
Über die Befragung
Die Sommererhebung 2026 des Energieeffizienz-Index wurde vom Institut für Energieeffizienz in der Produktion der Universität Stuttgart in Zusammenarbeit mit der Deutschen Energie-Agentur, dem Bundesverband der Deutschen Industrie, dem Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung sowie dem TÜV Rheinland durchgeführt. Insgesamt 854 Unternehmen des produzierenden Gewerbes haben im Erhebungszeitraum vom 9. März bis zum 30. April 2026 an der Umfrage teilgenommen. Weitere Informationen zu diesem Thema können Sie hier abrufen. Zudem finden Sie die Aufnahme des Briefing-Events hier.
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