Austausch, nicht nur der Effizienz wegen
Mendener Effizienznetzwerk
Mit etwas mehr als 50.000 Einwohnerinnen und Einwohnern ist die Stadt Menden ein historisch bedeutender Standort im Sauerland. Sie verfügt über eine mehr als 300-jährige Industriegeschichte. Metallverarbeitende Betriebe prägen seit jeher die Wirtschaft vor Ort. Immer wieder haben die Bewohnerinnen und Bewohner sich zusammengetan, um die Stadt nach Schicksalsschlägen, wie der Zerstörung im 30-jährigen Krieg oder den Schäden des Zweiten Weltkriegs, wiederaufzubauen und weiterzuentwickeln. Dass sich zahlreiche Unternehmen aus Menden – größtenteils aus der Stahl- und Metallindustrie – erfolgreich in Sachen Energieeffizienz engagieren, um sich zukunftssicher aufzustellen und auf aktuelle Herausforderungen zu reagieren, erscheint vor diesem Hintergrund naheliegend.
Seit 2019 ist das Mendener Effizienznetzwerk mit mehr als zehn mittelständischen Industrieunternehmen aus dem Stadtgebiet aktiv. Die Idee, sich gemeinsame Ziele zu setzen und sich auszutauschen, wie diese zu erreichen sind, hat so viel Anklang gefunden, dass das Netzwerk sich Ende 2022 vergrößerte und die Teilnehmenden eine zweite Runde starteten.
Die Zusammenarbeit funktionierte so gut, dass sich die Unternehmen, obwohl sie teilweise aus derselben Branche stammen, auch über weitere Themen neben der Energieeffizienz austauschen.
Thorsten Wiesenhöfer, Stadtwerke Menden
Ziel des Netzwerks war es nicht nur, einen möglichst effektiven Austausch zu gewährleisten, sondern auch die beteiligten mittelständischen Unternehmen der Stadt nach außen bekannter zu machen. „Die Zusammenarbeit funktionierte so gut, dass sich die Unternehmen, obwohl sie teilweise aus derselben Branche stammen, auch über weitere Themen neben der Energieeffizienz austauschen“, berichtet Thorsten Wiesenhöfer, Teamleiter Energiebeschaffung bei den Stadtwerken Menden. Die Stadtwerke, die als Unternehmen selbst im Netzwerk aktiv waren, fungierten zudem als Moderator und gemeinsam mit der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer zu Hagen (SIHK) im Nachfolgenetzwerk Mendener Effizienznetzwerk 2 als Träger.
Gemeinsam engagiert vorangehen
Ein Vorteil war die sehr starke und auch bilaterale Vernetzung innerhalb des Mendener Effizienznetzwerks, da alle Mitglieder aus einer Stadt kommen, wie Wiesenhöfer erläuterte. Die Akteure sind vor Ort verwurzelt und kennen sich untereinander, sodass die lokale Verantwortung ein wichtiger Treiber für das Engagement ist. „Die Mitglieder des Netzwerkes blicken über den Tellerrand hinaus“, so Wiesenhöfer.
Sie engagierten sich nicht nur im Effizienznetzwerk, sondern teilweise auch in der SIHK Klima-Initiative und im lokalen Klimaschutznetzwerk der Stadt Menden. Damit, erklärt Wiesenhöfer, übernehmen die Unternehmen Verantwortung für die Region Südwestfalen. Auch spielen sie eine besondere Rolle dabei, andere Betriebe zu motivieren, weil sie als Vorzeigeunternehmen für eine Steigerung der betrieblichen Energie- und Ressourceneffizienz werben.
Der Großteil der teilnehmenden kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) ist in der energieintensiven Stahl- und Metallindustrie tätig. Die Gas- und Energiepreiskrise hat die Netzwerkarbeit allerdings nicht gebremst. Im Gegenteil: Es wurden wesentlich mehr Maßnahmen geplant und als im ersten Jahr des Netzwerkes 2020 angegeben.
Eine Vorreiterrolle nimmt dabei die Firma MPG Mendener Präzisionsrohr ein. Das Unternehmen ist Marktführer für kupferlegierte Wärmetauscherrohre in Europa und gehört auch weltweit zu den führenden Anbietern. Bereits seit 2004 ist das Thema Energieeffizienz fest in den Unternehmenszielen verankert. Mittels Optimierungen, Reduktionen und Eigenstromproduktion setzt das Unternehmen verschiedenste Maßnahmen zur Reduktion der Scope-1-bis-3-Emissionen um, darunter auch die Rücknahme von ausgelieferten Produkten nach der Nutzung. Damit werden neben direkt und indirekt erzeugten auch nachgelagerte Emissionen berücksichtigt, die in diesem Fall für die Entsorgung der verkauften Produkte anfallen würden. Für diese ambitionierte Klimaschutzstrategie wurde MPG auf dem dena Energiewende-Kongress 2023 mit dem Publikumspreis des Energy Efficiency Awards ausgezeichnet.
Steckbrief Mendener Effizienznetzwerk
- Typ
Regionales Netzwerk
- Netzwerkträger
Südwestfälische Industrie- und Handelskammer zu Hagen, Stadtwerke Menden GmbH
- Moderator
Stadtwerke Menden GmbH
- Laufzeit
1. Runde: 25.11.2019 – 30.11.2022 2. Runde: 01.12.2022 – 01.12.2024
- Teilnehmer
BEGA Gantenbrink-Leuchten KG, Ewald Rostek GmbH Oberflächentechnik (1), fischer Hydroforming GmbH, HJS Emission Technology GmbH & Co. KG, HME Copper Germany GmbH, MPG Mendener Präzisionsrohr GmbH, OBO Bettermann Holding GmbH & Co. KG, NCB Lohmann GmbH (1), ECO Schulte GmbH & Co KG, Schött-Druckguß GmbH, Schulte Verpackungs-Systeme GmbH, Stadtwerke Menden GmbH, Lhoist Germany (2), Broki Metallwaren GmbH & Co. KG (2), HONSEL Umformtechnik GmbH (2), Jordan Spritzgusstechnik GmbH (2), KLUDI GmbH & Co. KG (2)
- Zusatzinfo
(1) nur 1. Runde
(2) nur 2. Runde
Unternehmen setzen 104 Einzelmaßnahmen um
Vier Vertreter des Mendener Effizienznetzwerks halten auf der Jahresveranstaltung 2022 der Netzwerkinitiative ihre Urkunden in den Händen.
Ob die Umrüstung der Beleuchtungsanlagen, der Austausch von Motoren und Kompressoren gegen energieeffizientere Modelle oder die Optimierung des Druckluftnetzes und der Fahrweise von Anlagen, die Netzwerkunternehmen sind verschiedenste Maßnahmen angegangen. Außerdem haben sich mehrere Unternehmen mit der Anpassung der Gebäudeheizkurven auseinandergesetzt, um den Gasverbrauch zu senken. In der ersten Runde von Ende 2019 bis Ende 2022 gelang es den Unternehmen im Netzwerk 10.180 MWh Energie pro Jahr einzusparen. So konnten jährlich 3.465 Tonnen CO2-Äquivalente vermieden werden.
Als weitreichende Investitionen planen viele Unternehmen zudem den Bau von größeren PV-anlagen“, berichtete Wiesenhöfer zum Start der 2. Runde. Auch die Nutzung von Abwärmepotenzialen sollte forciert werden, um den Energieverbrauch zu senken. „In der ersten Netzwerkrunde lag der Fokus auf Energiesparmaßnahmen. In der zweiten wurde dann aber auch verstärkt die Einsparung von CO2-Emissionen angestrebt“, erläuterte der Netzwerkmoderator. So planten teilnehmende Unternehmen beispielsweise, die Wärmeversorgung durch die Nutzung von Wärmepumpen zu elektrifizieren. Für die weitere Zusammenarbeit des Netzwerks und die Umsetzung von Maßnahmen gab es also genug Ansatzpunkte.
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