Energieeffizienz-Netzwerk ETA-Plus

Blick über den Tellerrand

Das Wissenschafts- und Technologieunternehmen Merck ist sicher der bekannteste Name im Darmstädter Energieeffizienz-Netzwerk ETA-Plus. Der DAX-Konzern schätzt nicht nur den Austausch zu Effizienztechnologien, sondern auch über Themen, die darüber hinausgehen – etwa regulatorischen Fragen oder Innovationsdynamiken. Und damit ist er im branchenübergreifenden Netzwerk ETA-Plus genau richtig.

Das von der IHK Darmstadt getragene und moderierte Energieeffizienz-Netzwerk ETA-Plus spiegelt die Vielfalt des Wirtschaftsraums zwischen Rhein, Main und Neckar wider: Weltkonzerne finden sich hier genauso wie regional orientierte, kleine und mittelständische Betriebe. Ebenso bunt ist die Liste der Branchen, aus denen die Mitglieder kommen – sie reicht von der Metall-, Kunst- und Baustoff- über die Chemie-, Pharma- und Lebensmittelindustrie bis hin zu Maschinenbau und Lasertechnik. „Auch wenn die Unternehmen sehr heterogen sind, so gleichen sich doch die Technologiefelder, wo sie Effizienzpotenziale sehen: Prozesswärme und -kälte, Druckluft, elektrische Antriebe oder Beleuchtung. Den Austausch über Erfahrungen, Lösungen und auch Hürden schätzen die Teilnehmer sehr“, erklärt Netzwerkmoderator Niclas Wenz von der IHK Darmstadt.

Mit Merck beteiligt sich auch ein weltweit agierender DAX-Konzern an dem Netzwerk. „Viele der Themen, die die kleineren Unternehmen umtreiben, beschäftigen auch uns“, sagt Stefan Müller, Head of Energy Management & Technology bei Merck. „Natürlich sind unsere Anlagen und Maschinen in der Regel größer dimensioniert. Das ändert aber nichts daran, dass ein Erfahrungsaustausch mit anderen Unternehmen im Netzwerk – insbesondere mit Blick auf innovative Einsparideen – sehr hilfreich ist“, erklärt Müller.

Mindestens genauso wichtig sind für ihn aber Gespräche, die über technische Fragen hinausgehen – zum Beispiel darüber, wie Mitarbeiter motiviert werden können, Energie einzusparen. Großen Anklang finden auch die Vorträge von Experten des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) zu regulatorischen Fragen. „Wir sind bei diesem Thema zwar schon hervorragend aufgestellt. Nichtsdestotrotz profitieren wir davon, weil die Referenten direkt in Berlin an der Quelle sitzen“, sagt der Merck-Manager. „Wir fühlen uns von ihnen sehr kompetent informiert und können ihnen umgekehrt auch unsere Sichtweise darlegen.“

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Wir sollten mit Blick auf die Energiewende verstärkt in Zusammenhängen denken, also über die Effizienzsteigerungen einzelner Anlagen und Maschinen hinaus. Das verlangt auch, unternehmensübergreifend zusammenzuarbeiten. Das ETA­Plus­Effizienznetzwerk ist dafür ein gutes Modell, da hier alle relevanten Akteure – von der Industrie über die Energiebranche bis hin zu Wissenschaft und Politik – an einem Tisch sitzen.&#8220;

Wir sollten mit Blick auf die Energiewende verstärkt in Zusammenhängen denken, also über die Effizienzsteigerungen einzelner Anlagen und Maschinen hinaus. Das verlangt auch, unternehmensübergreifend zusammenzuarbeiten. Das ETA­Plus­Effizienznetzwerk ist dafür ein gutes Modell, da hier alle relevanten Akteure – von der Industrie über die Energiebranche bis hin zu Wissenschaft und Politik – an einem Tisch sitzen.“

Stefan Müller, Head of Energy Management & Technology bei Merck KGaA

Wertvolle Anregungen aus dem Netzwerk

„Die Netzwerktreffen sind eine hervorragende Gelegenheit, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen“, erklärt Markus Haas, Geschäftsführer von FLEIMA- PLASTIC GmbH – einem kunststoffverarbeitenden Betrieb mit eigenem Werkzeugbau, der vor allem für die Medizinbranche tätig und Teil der Masterflex Group ist. „Im Tagesgeschäft hat man in der Regel keine Gelegenheit, sich mit anderen Unternehmen über Effizienzthemen auszutauschen.“ Der Betrieb war zuvor bereits Mitglied in einem anderen Netzwerk, das nach Ende seiner Laufzeit jedoch nicht fortgeführt wurde.

Um fünf Prozent hat FLEIMA-PLASTIC seinen Energieverbrauch in den letzten Jahren reduziert. Ein großer Teil der Maßnahmen lasse sich auf Anregungen aus den Netzwerken zurückführen, berichtet Haas. So hat das Unternehmen zum Beispiel neue Trocknungsanlagen angeschafft, die effizienter arbeiten. „In den nächsten Jahren wollen wir weitere Effizienzpotenziale erschließen. Ich bin überzeugt, dass wir dabei sehr vom Netzwerk profitieren werden“, sagt der Geschäftsführer.

Zusammenspiel einzelner Technologien

Insgesamt 18.000 Megawattstunden Energie haben die Teilnehmer in der ersten, von Oktober 2015 bis Ende 2018 laufenden Phase des Netzwerks eingespart. Damit haben sie ihr Ziel von 10.000 Megawattstunden weit übertroffen. Ihre CO2-Emissionen konnten die Unternehmen auf diese Weise um 8.500 Tonnen senken. In der zweiten Runde wollen sie ihren Energieverbrauch bis Ende 2021 um insgesamt 30.000 Megawattstunden reduzieren – ein starkes Zeichen auch für den Klimaschutz.

Das Effizienznetzwerk genießt einen hohen Stellenwert in der Region, wie die Liste der Kooperationspartner zeigt: Neben der IHK Darmstadt engagieren sich unter anderem das Regierungspräsidium Darmstadt, der Versorger Entega Energie GmbH, der TÜV Hessen GmbH sowie die TU Darmstadt. So gibt die Universität den Netzwerkteilnehmern die Möglichkeit, Mitarbeiter in ihrer sogenannten ETA-Fabrik – einer Einrichtung für Forschung und Fortbildung, die mit realen Industrieanlagen und -maschinen ausgestattet ist – weiterbilden zu lassen. Neben praxisnahen Treffen bei den Unternehmen finden Workshops des Netzwerks auch in der ETA-Fabrik statt. „Die Teilnehmer durchlaufen dabei ganze technologieübergreifende Prozesse, wie sie in der Industrie typisch sind“, sagt Moderator Wenz. „Danach diskutieren sie, wo Effizienzpotenziale liegen und wie sich diese erschließen lassen. Das sorgt für einen hohen Lerneffekt.“

Ohnehin beobachtet Wenz, dass die Netzwerkteilnehmer das Thema Energieeffizienz vermehrt mit einem systemischen Blick angehen: Bei den jüngsten Treffen standen oft weniger einzelne Technologien, Anlagen und Maschinen als vielmehr deren Zusammenspiel im Fokus. Ein solch ganzheitlicher Ansatz erlaubt es, Einsparpotenziale zu heben, die bei isolierter Betrachtung verborgen geblieben wären. Für ihn und die Netzwerkteilnehmer eines der stärksten Argumente für ihre weitere Zusammenarbeit im ETA-Plus-Effizienznetzwerk!

 

Steckbrief Energieeffizienz-Netzwerk ETA-Plus

Typ
Regionales Netzwerk
Netzwerkträger
IHK Darmstadt Rhein Main Neckar
Laufzeit
1. Runde: 10/2015 bis 12/2018, 2. Runde: 01/2019 bis 12/2021
Teilnehmer
AHC Oberflächentechnik GmbH, ATLAS Material Testing Technology GmbH, BASF Lampertheim GmbH, CHANTY Spitzenfabrik GmbH & CO. KG, Clarion Europa GmbH, Concat AG, FICO TONBELLER, FLEIMA-PLASTIC, Inno Green, Jasco Labor- und Datentechnik GmbH, Jean Müller GmbH, Kao Manufacturing GmbH, KARO Kunststoffzerspanung Kai Frindt GmbH, Lang Küchen & Accessoires GmbH & Co. KG, Merck KGaA, MOGAT-Werke Adolf Böving Bitumen- und Dachpappenfabrik GmbH, Pfungstädter Brauerei, Pirelli Deutschland GmbH, ProTec Polymer Processing GmbH, Sanner GmbH, Schreinerei Rainer Groh, SEEGER Lasertechnik GmbH, Uhl Formteile GmbH, VACUUMSCHMELZE GmbH & Co. KG, Werkzeug- und Formenbau Vogel GmbH, Wire Cut Prototypes GmbH

Informationen rund um Energieeffizienz-Netzwerke und weitere Erfolgsgeschichten können Sie in der Broschüre „Gemeinsam erfolgreicher“ nachlesen.

Bildnachweise:
Teaserbild: ETA-Plus;
Portraitfoto Stefan Müller: Merck;
Gruppenfoto: AKASOL