Energieeffizienz-Netzwerk Chemiestandort Bitterfeld-Wolfen

Die Chemie stimmt!

In Bitterfeld-Wolfen hat die Chemieindustrie eine lange Tradition. Doch der Standort steht im weltweiten Wettbewerb. Innovationskraft und Effizienz sind deshalb wichtige Erfolgsfaktoren für die Chemiebetriebe der Region. Das Energieeffizienz-Netzwerk Chemiestandort Bitterfeld-Wolfen leistet hier einen wichtigen Beitrag – als Plattform für den Expertenaustausch sowie als Wissensforum für technologische und andere Fragen.

Bereits die Adresse des Werks von Nouryon in Bitterfeld-Wolfen verrät, dass die Produktionsprozesse des Unternehmens eine Menge Energie benötigen: In der „Elektrolysestraße“ hat die Niederlassung des weltweit tätigen Chemiekonzerns ihren Sitz. Mithilfe einer Chloralkalielektrolyse stellt Nouryon hier Industriechemikalien her. Die Elektrolyse selbst, mit Abstand größter Energieverbraucher im Unternehmen, bietet technisch so gut wie keinen Spielraum mehr, Energie einzusparen. „Dafür aber die anderen Prozesse und Anlagen des Unternehmens“, sagt Nouryon-Projektingenieur Mark Wohlfahrt. „Teile der technischen Infrastruktur sind seit der Inbetriebnahme des Werkes vor 20 Jahren nie modernisiert worden.“

Das liegt vor allem daran, dass sich Nouryon lange Zeit darauf konzentrierte, die Elektrolyse energieeffizienter zu gestalten. Nachdem das Potenzial hier praktisch ausgeschöpft ist, nimmt das Unternehmen nun verstärkt den weiteren Energiebedarf ins Visier. Da kam Nouryon die Gründung des Energieeffizienz-Netzwerks Chemiestandort Bitterfeld-Wolfen sehr gelegen, berichtet Wohlfahrt. „Im Netzwerk können wir Themen diskutieren, mit denen sich auch die anderen Unternehmen intensiv beschäftigen“, erklärt er. Aus diesen Gesprächen nimmt Wohlfahrt viele Ideen mit. So hat Nouryon zum Beispiel auf Anregungen aus dem Netzwerk hin einige Motoren mit Frequenzumrichtern ausgestattet sowie die Steuerung der Klimaanlage optimiert. Deren Abwärme verwendet das Unternehmen jetzt zudem als Heizenergie. „Wir haben gesehen, wie andere das machen und uns daran orientiert“, erklärt er.

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Im Netzwerk können wir Themen wie Abwärmenutzung oder Beleuchtung diskutieren, mit denen sich auch die anderen Unternehmen intensiv beschäftigen. Dieser Austausch ist sehr hilfreich für uns. Wir nehmen aus den Gesprächen viele Ideen mit.&#8220;

Im Netzwerk können wir Themen wie Abwärmenutzung oder Beleuchtung diskutieren, mit denen sich auch die anderen Unternehmen intensiv beschäftigen. Dieser Austausch ist sehr hilfreich für uns. Wir nehmen aus den Gesprächen viele Ideen mit.“

Mark Wohlfahrt, Projektingenieur bei Nouryon Industrial Chemicals GmbH

Vertrauensvolle Atmosphäre

Bitterfeld-Wolfen ist ein Chemiestandort mit langer Tradition: Bereits Ende des 19. Jahrhunderts siedelten sich hier die ersten Firmen aus der Branche an. Insgesamt acht Chemiebetriebe aus Bitterfeld-Wolfen beteiligten sich in der ersten Phase des Netzwerks, zwei weitere sind in der zweiten Runde dazugekommen. „Dieser Branchenfokus ist ein großer Vorteil, da sich alle Unternehmen mit ähnlichen Fragestellungen auseinandersetzen“, sagt Moderator Wolfgang Eger vom regionalen Energiedienstleister envia THERM. Sehr schnell sei im Netzwerk eine offene, vertrauensvolle Atmosphäre entstanden, in der die Teilnehmer bereitwillig auch über negative Erfahrungen sprächen, so Eger.

Der Austausch hat Früchte getragen: In der ersten Laufzeit haben die Teilnehmer insgesamt 18 Energieeffizienzmaßnahmen umgesetzt, mit denen sie zusammen 4.680 Megawattstunden Endenergie pro Jahr einsparen. Das entspricht 1.935 Tonnen vermiedener CO2-Emissionen. Das eingangs gesetzte Einsparziel konnte das Netzwerk leicht übertreffen. Dazu kommt ein Erfolg, der sich kaum in Zahlen messen lässt: Die Fortschritte bei der Energieeffizienz stärken die Wettbewerbsfähigkeit des Chemiestandorts Bitterfeld- Wolfen. Das ermöglicht weiteres Wachstum und sichert Arbeitsplätze.

Mehr als Technologie

Neben technologischen Themen stehen immer wieder auch regulatorische Fragen auf der Agenda der Netzwerktreffen. Externe Experten erläutern, wie sich gesetzliche Anforderungen rechtssicher umsetzen lassen. „Das brennt den Teilnehmern unter den Nägeln, weil es laufend Neuerungen gibt, die sie umsetzen müssen“, sagt Eger. Nouryon-Energiemanager Wohlfahrt schätzt diesen Input sehr. „Als energieintensives Unternehmen kennen wir den regulatorischen Rahmen natürlich bestens“, erklärt er. „Doch es gibt immer mal wieder Themen, die Fragen aufwerfen – zum Beispiel die EEG-Umlagenbefreiung für Strom, den Firmen verbrauchen, die bei uns auf dem Werksgelände tätig sind“, sagt Wohlfahrt.

Auch der Spezialharzhersteller Allnex, ebenfalls von Beginn an dabei, zieht großen Gewinn aus den Vorträgen und Diskussionen zu regulatorischen Themen. „Dazu gehört zum Beispiel, mit externen Referenten und den Kollegen aus anderen Betrieben über energiesteuerrechtliche Fragen sprechen zu können“, sagt Allnex-Energiemanager Thomas Klaus.

Fraunhofer-Institut als Kooperationspartner

Mit dem Fraunhofer-Institut für Fabrikbetrieb und -automatisierung (IFF) steht dem Netzwerk in technischen Fragen ein kompetenter Kooperationspartner zur Seite. So haben die Experten des Instituts zu Beginn eine Bestandsaufnahme der Energieverbräuche in den einzelnen Unternehmen vorgenommen, Schwachstellen identifiziert und Verbesserungsvorschläge gemacht.

Allnex zum Beispiel haben die Fraunhofer-Forscher geraten, die Pumpenregelung für den Wärmeträgerkreislauf anzupassen. „Wir sparen damit nun jährlich 220 Megawattstunden Energie ein“, sagt Klaus. Das Unternehmen nutzt die Kompetenz der Wissenschaftler aber noch auf weiteren Feldern. Zum Beispiel entwickeln die Experten von Allnex und Fraunhofer IFF jetzt gemeinsam eine Regelstruktur für die Abluft-Reinigungsanlagen des Chemiebetriebs. Zudem haben die Forscher Softwarelösungen für das Energiemanagement evaluiert. „Auf Basis dieser Analyse passen wir nun eines der untersuchten Systeme an unsere Anforderungen an“, erklärt Klaus.

 

Steckbrief Energieeffizienz-Netzwerk Chemiestandort Bitterfeld-Wolfen

Typ
Branchennetzwerk (Chemie)
Netzwerkträger
envia THERM GmbH
Kooperationspartner
Fraunhofer-Institut für Fabrikbetrieb und -automatisierung IFF
Laufzeit
1. Runde: 06/2016 bis 05/2019, 2. Runde: 06/2019 bis 05/2022
Teilnehmer
Allnex Resins Germany GmbH, Bayer Bitterfeld GmbH, Dow Deutschland Anlagengesellschaft mbH*, EVIP GmbH, Heraeus Quarzglas GmbH & Co. KG, IAB Ionenaustauscher GmbH Bitterfeld*, Island Polymer Industries GmbH, Nouryon Industrial Chemicals GmbH, Organica Feinchemie GmbH Wolfen, Trevira GmbH (*2. Runde)

Informationen rund um Energieeffizienz-Netzwerke und weitere Erfolgsgeschichten können Sie in der Broschüre „Gemeinsam erfolgreicher“ nachlesen.

Bildnachweise:
Teaserbild: Michael Setzpfandt;
Portraitfoto Mark Wohlfahrt: Cornelia Kirsch (Fotostudio);
Gruppenfoto: envia THERM GmbH